Gedichteabend (12.12.14)

 

Gedichte sind ein Teil unseres Kulturgutes. Oft sind es in sich geschlossene, meist kurze und überschaubare Texte, die – speziell auf Morgenstern bezogen – nicht immer eine pädagogische Absicht verfolgen. Die Gedichte sollen die Kinder einfach nur erfreuen, ihren Klang, ihren Reim, ihren Rhythmus zu erleben. Vor etwa 10 Jahren trug die damalige 4. Klasse den „Lattenzaun“ von Christian Morgenstern vor. Es machte ihnen sichtlich Spaß, und es war beeindruckend wie klar und deutlich die Kinder wie aus einem Munde sprachen. So wurde es zunächst in der 3. und 4. Klasse Ritual den Schultag mit Gedichten zu beginnen. Durch das rhythmisierte Sprechen mit Mimik und Gestik, mit und ohne Musik, behalten die Kinder die Texte mit Leichtigkeit im Gedächtnis ohne je etwas Schriftliches in Händen gehalten zu haben. Inzwischen gehört der Sprechchor zu unserem Schulprofil und es ist Tradition geworden, Sie mit unseren Balladen-abenden zu erfreuen.

 

Vor 100 Jahren (am 31. März 1914) ist der Journalist, Übersetzer, Schriftsteller und Dichter Christian Morgenstern gestorben. Deshalb wollen wir ihm diesen Gedichteabend widmen. Im Vordergrund stehen seine Galgenlieder. Diese wurden zunächst 1895 im kleinen Kreis von acht Freunden, dem Bund der Galgenbrüder, beim Ausflug auf den Galgenberg in Werder bei Potsdam im privaten Kreis vorgetragen. Christian Morgenstern war damals 24 Jahre alt. Als wichtige Utensilien hatten sie ein Hufeisen und ein Manuskript, in Form eines Henkerbeils, dabei. Außerdem traf man sich in Kneipen und zelebrierte auf ironische Weise schön schaurige Rituale, wie z.B. das Durchschneiden des Lebensfadens. Man sang zu Klaviermusik die Galgenlieder, deren Text Christian Morgenstern verfasste. Die Galgenpoesie war ein Stück Weltanschauung. Man wollte sich gegen alles abgrenzen, was mit dem klassischen Weltbild zu tun hatte. Sie ist die skrupellose Freiheit, dem Wort das Gegenständliche zu nehmen. So besteht „das große Lalula“ aus sinnlosen Silbenketten. Die komplette Auflösung der Sprache treibt Christian Morgenstern mit „Fisches Nachtgesang“ auf die Spitze, da dieses Gedicht nur noch aus Lang- und Kurzzeichen besteht. Es ist wortwörtlich ein stummer Protest gegen sprachliche Konventionen und geistige Unbeweg-lichkeit.